Am 10. Januar 1937 setzten sich fünf fröhlich gestimmte Männer im Restaurant „Zur Tonhalle“ in Bad Godesberg am Rhein, Burgstraße 19/21, an einem runden Tisch zusammen, um die Karnevals – Gesellschaft „Fidele Burggrafen“ erstehen zu lassen. Diese jungen Leute hießen:

Paul Grünhäuser,
Heinrich Kehlenbach,
Johann Ruland,
Fritz Schneider,
und Paul Wingarz.

Diese fünf genannten Gründungsmitglieder waren damals alle etwa 25 – 30 Jahre alt; abgesehen von J. Ruland haben sie ihr Leben lang den Fidelen Burggrafen unverbrüchlich die Treue gehalten, ja über Jahre und Jahrzehnte hinweg an führenden Stellen im Vorstand der Gesellschaft mit großem Geschick und viel Erfolg gewirkt.

Initiator der Gesellschaftsgründung war offenbar Paul Grünhäuser, der 1933 aus beruflichen Gründen von Köln nach Bad Godesberg gekommen war und über einige karnevalistische Erfahrungen verfügte. Die Tonhalle lag schräg gegenüber seiner Backstube in der Bäckerei Brenig. In diesem von Hermann Wershoven geführtem Restaurant hatte sich bereits ein „Club der ganz Harmlosen“ gebildet. Die meisten dieser jungen Leute stammten aus dem sogenannten „Knollevierdel“, wie die Godesberger Altstadt am Fuß der Burg seinerzeit genannt wurde. Bei ihnen fühlte sich Paul Grünhäuser wohl, zumal es dort auch noch den Club der „Burgmöhnen“ gab.

Mit diesen und der ebenfalls hier tagenden Männerreih „Kolönnchen“ wurden schon Mitte der 30er Jahre zünftige, auf die lokalen Godesberger Verhältnisse abgestellte, karnevalistische Sitzungen veranstaltet. Hierbei trat hin und wieder auch ein junger Sänger und Humorist namens Paul Wingarz auf, von dem damals niemand ahnte, dass er einmal ein langes Kapitel Godesberger Karnevalsgeschichte mitgestalten werde.

Offenbar sind die Fidelen Burgmöhnen nicht ganz unschuldig an der Gründung der neuen Karnevalsgesellschaft gewesen. Da sie einmal in einem Lied von Paul Wingarz als „Burggräfinnen“ tituliert worden waren, nannten sich die jungen Herren folgerichtig die „Fidelen Burggrafen“.

Kaum dass die Gründung beschlossen und bekannt gemacht war, meldeten sich in wenigen Tagen bereits 20 karnevalistisch interessiert Godesberger als Mitglieder an. Um nun die Gesellschaft offiziell ins Leben zu rufen, wurde bereits für den 17. Januar 1937 zu einer Gründungsversammlung eingeladen.

Gleichzeitig wählte man aus den anwesenden Gesellschaftsmitbegründern einen Vorstand, darunter zum Präsidenten Paul Grünhäuser, zu seinem Stellvertreter und Schriftführer Heinrich Kehlenbach, zum Schatzmeister Peter Düren und zum Literaten Paul Wingarz.

Bereits am gleichen Abend zog der „Kleine Rat“ der Gesellschaft unter tosendem Beifall in den Gastraum der Tonhalle ein und Paul Grünhäuser leitete die erste Sitzung der Fidelen Burggrafen.

Schon kurz nach dieser freudigen und erfolgreichen Eröffnungsvorstellung traten unerwartete Schwierigkeiten auf. Der damalige Bürgermeister von Bad Godesberg, von den Nationalsozialisten 1933 eingesetzte Heinrich Alef, lehnte die Genehmigung der vorschriftsmäßig bei ihm angemeldeten Karnevalsgesellschaft Fidele Burggrafen glatt ab. Er fürchtete nämlich eine Schmälerung des Einflusses der von ihm unterstützten, wenige Jahre zuvor gegründeten „Großen Godesberger Karnevalsgesellschaft“.

Aber die Burggrafen ließen sich dadurch nicht einschüchtern. Der soeben erst gewählte Vorstand resignierte keineswegs, sondern wandte sich mit einer Beschwerde an den Regierungspräsidenten in Köln, der den Bürgermeister zur Stellungnahme aufforderte.
Bei ihrer Vorstandssitzung am 8. Juni 1937 wurde dann beschlossen, abermals und zwar per Einschreiben, um die Genehmigung nachzufragen und gegebenenfalls um eine Rücksprache mit dem Herrn Bürgermeister zu bitten.
Auf Einladung von Bürgermeister Alef fand dann tatsächlich eine Aussprache mit dem Vorstand der Fidelen Burggrafen statt; und schließlich wurde vom ihm am 23. Juli 1937 die lang ersehnte Genehmigung der Gesellschaft erteilt.

Auch der äußere Erfolg blieb nicht aus: die Zahl der Mitglieder stieg und stieg, sie erreichte schon im ersten Jahr „weit über Hundert“. Die Godesberger Woche stellte dann auch in ihrer Ausgabe vom 23. Januar 1938 zutreffend und voller Hochachtung fest:

Zusammenfassend kann man wohl sagen, das nach einjähriger Anlaufzeit die Burggrafen sich als eine der ersten aus dem Volke heraus gewachsenen neu gegründeten Godesberger Karnevalsgesellschaften, von weiten Kreisen getragen, als lebensfähig erwiesen habe“.

Inzwischen hatten die Fidelen Burggrafen sich die heute noch vorhandene Standarte zugelegt, die vor dem Neujahresball am 1. Januar 1938 in der Tonhalle mit großer Festlichkeit eingeweiht wurde.

1938 betrug die Mitgliederzahl fast 150, einschließlich der Ehrensenatoren. Doch im Laufe dieses Jahres zogen sich auch die unheildräuenden Wolken immer mehr zusammen und das bevorstehende Gewitter war schon auszumachen. So ging es schließlich in die Session 1939. Sie ging wenn auch mit einigen Einschränkungen noch einmal gut.

Bekanntlich brach am 1. September 1939 der zweite Weltkrieg aus. Der noch wenige Monate zuvor mehr oder weniger ahnungsvoll gesungene Karnevalsschlager des damaligen Literaten Paul Wingarz „ Unser Brütchensjung ,er wird Zaldat“, wurde für viele Burggrafen bittere Wirklichkeit. Sie mussten von heute auf morgen die Narrenkappe mit dem Stahlhelm vertauschen. An die zum Kriegsdienst eingezogenen Mitglieder wurden am 15. Dezember 1939 von den daheimgebliebenen Burggrafen Weihnachtspakete versandt.

Trotz der schweren Zeiten blieben die Burggrafen auch in den folgenden Kriegsjahren auf dem Posten und nahmen ihre Aufgabe, sich selbst und anderen durch rheinische Herzensfröhlichkeit eine Überlebenschance zu bieten, sehr ernst. Immer wieder trafen sie sich, meist im Familienkreise, um in dieser Gemeinschaft Freude zu geben und zu genießen. Das die KG. Fidele Burggrafen formal wie tatsächlich immer bestehen geblieben ist, geht aus der, wenn auch nachträglich vorgenommenen Eintragung im Kassenbuch „Zinsen 1943-44“ hervor. Zu jenem Zeitpunkt allerdings war das Vereinsleben im Bombenhagel des Krieges zum vollständigen Erliegen gekommen.

Wie im familiären Bereich, so begann man schon sehr bald nach Kriegsende auch in den Vereinen damit festzustellen, wer von den Mitgliedern die schreckliche Zeit überstanden hatte, die Anschriften der Überlebenden zu erfahren und fing damit an, wieder ein geregeltes Leben aufzubauen. Dies war bei den Fidelen Burggrafen der stellvertretende Präsident und Schriftführer Heinrich Kehlenbach, der die Mitglieder, die den mörderischen Krieg überlebt hatten, wieder um sich scharte.

Im Jahre 1946 war zwar an ein Karnevalfeiern nicht zu denken, doch war die Karnevalszeit für Heinrich Kehlenbach die Gelegenheit, eine Reihe von Burggrafen zum 10. Februar 1946 zu sich in die Wohnung einzuladen, um mit ihnen über das künftige Schicksal der Gesellschaft zu beraten. Die Schwierigkeiten, ein geordnetes Vereinsleben wieder zu beginnen, scheinen zu diesem frühen Zeitpunkt – knapp ein Jahr nach Kriegsende – allerdings noch unüberwindlich gewesen zu sein; Denn erst nach einem weiteren Jahr wagte man es, zu einer allgemeinen Zusammenkunft am 07.Juni 1947 ins Stammlokal der Vorkriegszeit „Zur Tonhalle“ einzuladen.

Unsicher ist, ob das anberaumte Treffen auch tatsächlich am 7. Juni stattgefunden hat; Denn in einem Brief von Heinrich Kehlenbach an Peter Finette vom 22. Juni 1947 heißt es gleich zu Beginn: „Bei der ersten Zusammenkunft unserer Gesellschaft nach dem Kriege am 21.Juni 1947 im Restaurant Zur Tonhalle …“ demnach hat die Zusammenkunft 14 Tage später als zunächst vorgesehen stattgefunden, wie durch den Geschäftsbericht zur Jahreshauptversammlung am 06. November 1948 bestätigt wird.

Wie dem auch sei, bei dieser ersten Nachkriegs – Mitgliederversammlung wurde von den 17 Erschienenen einstimmig erklärt, die „einst so rühmliche Gesellschaft wieder aufleben zu lassen und mit allen Kräften an die vergangenen Erfolge wieder anzuschließen.“ Dabei ging man von der richtigen Erkenntnis aus, dass gerade in schweren Zeiten der Humor dem Menschen weiterhilft und ihn nicht verzagen lässt. Dann wurde ein neuer Vorstand gewählt und mit der Geschäftsleitung beauftragt. Dem Geschäftsführenden Vorstand gehörten an als 1. Vorsitzender Georg Schmidt, als 2. Vorsitzender Heinrichs Peters, als Geschäftsführer Heinrich Kehlenbach, als erster Kassierer Peter Düren und als Literat Reiner Kaufmann. Zum Erweiterten Vorstand zählten noch Fritz Schneider, Alex Krahm, Johannes Michels und Peter Finette.

Als erste karnevalistische Veranstaltung nach dem Kriege zogen die Fidelen Burggrafen am 8. November 1947 auf der Godesburg eine Elften – im – Elften – Feier im Mitgliederkreise auf. Sie nahmen somit nach langer Zeit wieder Besitz von ihrer Burg, und beim Erbsensuppenessen stellte man beglückt fest, dass der Krieg und seine Nachwirren die rheinische Fröhlichkeit nicht zum Erliegen hat bringen können.

So fand dann auch im Volksgartensaal (Vorläufer der heutigen Stadthalle) am 11.Jannuar 1948, also genau 11 Jahre und 1 Tag nach der Gründung der Gesellschaft, die erste Große Jubiläums – Prunksitzung statt. Der Saal war wie erhofft bis auf den letzten Platz besetzt als Ehrensenator und Ehrenpräsident Reiner Kaufmann als Sitzungspräsident die Veranstaltung eröffnete.

Damit war der Durchbruch erneut geschafft und seitdem reißt die Erfolgsserie der Fidelen Burggrafen nicht ab. Dies ist nicht zuletzt Paul Wingarz und Karl–Heinz Michels zu verdanken. Paul Wingarz wurde im Jahre 1949 Präsident und leitete diese als Zugpferd bis zu seinem Tode 1982. Karl – Heinz Michels leitete die Geschicke der Gesellschaft ab 1969 als Kommandant und seit 1972 als 1. Vorsitzender. 1984 übernahm er das Präsidentenamt.

….to be continued….